Das läuft in Freising

Bericht einer bereits stattgefundenen Aktion

Am 22. Juni 2009 veranstaltete die Katholische Jugendstelle Freising im Gymnasium in Neufahrn einen „Heißen Stuhl“.
Die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse haben sich in mehreren Unterrichtsstunden intensiv damit auseinandergesetzt, was sie die „Katholische Kirche schon immer mal fragen wollten, aber sich bisher nicht getraut haben“. Dabei wurden insgesamt sieben Themenblöcke erarbeitet, die von „Gestaltung der Liturgie“, über „Image und Öffentlichkeitsarbeit der Kirche“ bis hin zu „brennenden moraltheologischen Fragen“ reichten.
Entstanden ist dabei eine rege Diskussion, in der manche Vorurteile ausgeräumt wurden und die Schülerinnen und Schüler sich intensiv mit ihren Anliegen und Wünschen an die Katholische Kirche einbringen konnten. Um an den Themen weiterarbeiten zu können, wurde die Veranstaltung mit einer Videokamera aufgezeichnet und so konnte in der Nacharbeit dieser offene Brief mit den Visionen von Kirche entstehen:

Liebe Frau Heinemann,
zuerst bedanken wir uns erneut für Ihren Besuch in der Religionsklasse 9d/e unter der Leitung von Frau Kaiser. In der auf den Besuch folgenden Stunde haben wir uns nochmals Gedanken gemacht und besonders zum Thema Jugendarbeit einige Punkte ausgearbeitet, da in der Klasse noch Wünsche bestehen.

Bei den meisten Schülern besteht das Anliegen, dass die Kirche mehr auf die Schüler zukommen solle. Denn wenn man direkt von der Kirche angesprochen wird, bekommt man sicher die neuesten Veranstaltungen mit und kann sich eine passende auswählen. Außerdem wünschen Schüler sich, dass wenn sie sich über kirchliche Angebote informieren wollen, diese auch finden. Man soll also Suchen und Finden. Dazu müssten eventuelle kirchlichen Internetseiten bekannter werden, so soll zum Beispiel, wie von Ihnen schon erwähnt, viel über das Internet an die Jugendlichen gelangen. Somit wurde auch ein weiterer Aspekt angeschnitten: Die Jugend wünscht sich, dass religiöse Angebote so interessant wie ein Werbeartikel dargestellt werden. Dies soll die Lust an der Kirche steigern, was auch ein wichtiger Punkt für Jugendliche ist, da diese Lust oft nicht besteht. Manche Jugendlichen haben sogar das Gefühl, dass die Kirche sie nach der Firmung alleine lässt, da man kaum über Angebote informiert wird. Die Schüler wünschen sich also eine Umsetzung ihrer konkreten Ideen durch Sie, Frau Heinemann.

Die Schüler äußerten auch ein paar Vorschläge, wie Kirche und ihre Angebote öffentlicher gemacht werden können. Zum Beispiel wurde vorgeschlagen, dass die Kirche vor allem versuchen sollte, Schüler über die Medien wie Zeitschriften, Fernsehen und Internet zu erreichen. Auch eine interessante Möglichkeit wäre es, wenn es möglich wäre, in jeder Klasse bzw. Jahrgangsstufe so genannte „Sprecher“ der verschiedenen Dörfer einzurichten, die andere Schüler somit während des Unterrichts circa einmal monatlich über neue Angebote in den christlichen Kirchen informieren.

Des Weiteren gab es in unserer Klasse noch den Einwand, dass viele Schüler und Schülerinnen diese Art von Kirche wie sie von Ihnen beschrieben wurde, nicht “kennen”.  Damit ist gemeint, dass es sich oft um Einzelfälle handelt wie beispielsweise mit der abwechslungsreichen Kirchenmusik, die offenbar, wie des Öfteren angesprochen, in vielen Gemeinden nicht existiert, weswegen wir uns wünschen würden, dass sich diese “Wunschvorstellung “der Kirche in der Allgemeinheit umsetzten lässt, sodass jeder, egal ob er in Neufahrn wohnt, wo es bereits zahlreiche Angebote gibt, wie zum Beispiel Jugendgottesdienste mit vielen Musikinstrumenten, oder aber in kleineren Gemeinden, in denen sich bestimmte Dinge noch nicht durchgesetzt haben, zufrieden gestellt werden kann.

Zuletzt würden wir gerne noch den Punkt ansprechen,  über den wir uns ebenfalls Gedanken gemacht haben, nämlich über das Image der Kirche. Dieses scheint bei vielen einen eher veralteten Charakter zu haben, weshalb wir uns dachten, dass sich die Kirche, wenn möglich, vielleicht etwas zeitgemäßer verhalten sollte. Damit sind nicht nur deren Ansichten gemeint, die, wie wir finden oft nicht mehr der heutigen Zeit entsprechen, sondern auch  die Art, wie die Kirche auf Jugendliche wirkt, die sich nicht besonders viel mit dieser beschäftigen, sodass leider des Öfteren ein falscher Eindruck bei diesen entsteht. Unserer Meinung nach sollte deswegen das Image der Kirche verbessert werden, indem wie bereits genannt, diese etwas jugendgemäßer reagieren, und die zum Teil veralteten Einstellungen, wenn irgendwie möglich, etwas aufzufrischen versuchen sollte. Man könnte die Kirche zusätzlich mehr in den Alltag der Jugendlichen einbringen, indem man den Stand der Kirche so anpasst, dass dieser den Jugendlichen leichter ins Bild fällt, womit mir meinen, dass die Kirche vorwiegend dort vorkommen müsste, wo wir sie am Besten wahrnehmen, wie beispielsweise im Internet oder im Jugendzentrum, eben an Orten, an denen wir uns oft aufhalten.

Insgesamt, noch einmal herzlichen Dank für ihr Kommen und dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben. Wir würden uns freuen, falls bei Ihnen noch Interesse besteht, ein weiteres Mal mit Ihnen über mögliche Veränderungen sprechen zu können, um auf diese Weise unsere Wünsche und Ideen vielleicht in irgendeiner Form umsetzen zu können.

Mit freundlichen Grüßen,

Klasse 9d/e bei Frau Kaiser

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