Pater Johannes Neuner über seine Erinnerungen an die Jugendkorbinianswallfahrt (Quelle: Interview in der Münchner Kirchenzeitung vom November 2012)

Als 10jähriger Ministrant war Pater Johannes von Avila Neuner 1952 zum ersten Mal bei der Jugendkorbinianswallfahrt dabei. Im Jahr 1942, in dem Jahr als er in Mittenwald geboren wurde, gingen in einer Bombennacht drei junge Frauen mit ihrem Jugendseelsorger Wendelin Stöttner von München nach Freising. Um für den Frieden zu beten, um junge Menschen in ihrem Glauben zu stärken und um die Beziehung zum Bistumspatron zu vertiefen. Daraus wurde eine Tradition, die sich in diesem Jahr jährt zum 70. Mal jährt und viele Tausend junge Menschen aus der ganzen Diözese auf den Freisinger Domberg zieht, ob zu Fuß, mit dem Auto oder mit der Bahn.

Pater Johannes, wie haben Sie als 10jähriger die Jugendkorbinianswallfahrt erlebt?
Wir waren erfüllt von Freude, das erleben zu dürfen. Es war großartiges für uns, als Gruppe gemeinsam mit unserm Kaplan Sebastian Loidl nach Freising zu gehen. Als wir in der Früh ankamen, waren im Dominnenhof bereits etliche Gruppen und viele junge Leute. Im Priesterseminar bekamen wir einen Tee und etwas zu essen  zur Stärkung. Im Dom bei der Messe war eine großartige Stimmung, schon der Einzug von Erzbischofs Wendel war beeindruckend feierlich. Wir saßen im Mittelschiff im vorderen Drittel und haben alles gut gesehen. Auch den goldenen Korbiniansschrein, der auch schon damals auf den Stufe zum Presbyterium stand, haben wir genau begutachtet. Wir waren sehr ergriffen. Die ganze Kirche war voll, Seiten- und Mittelschiff, die Empore und die Treppen.

Welchen Weg sind sie gegangen?
Mit dem Zug sind wir von Mittenwald nach München gefahren. Dort sind wir den Weg aus der Kriegszeit gegangen, über Freimann. Das war zehn Jahre danach bereits Tradition und noch viele Jahre danach. Viele Gruppen sind von dort aus losgegangen. Wir haben Texte gelesen, gesungen und gebetet. Natürlich sind wir auch schnell gegangen, denn es war kalt. Es war überwältigend, irgendwann auf dem Weg durch den Nebel den Freisinger Domberg zu sehen.

Was haben Sie nach der Messe gemacht?
Die ganze Attraktion war 1952 ein lebendiger Bär, ein Geschenk der katholischen Jugend an den damals neuen Erzbischof von München und Freising. Die Jugendkorbinianswallfahrt war die erste große gemeinsame Begegnung. Wir standen lange an, um den Bären zu sehen. Er stand in einem Käfig nahe des Aussichtspunktes. Ich erinnere mich vor allem daran, dass meine Gruppe anschließend bei einem offenen Singen mit dabei war. Es war einfach herrlich, die vielen jungen Stimmen auf einmal zu hören. Um 15.00 Uhr gab es im Dom einen Pilgerabschied mit Kardinal Wendel. Im Zug nach Mittenwald haben wir dann alle geschlafen weil wir so müden waren.

Was hat sie an der Jugendkorbinianswallfahrt fasziniert?
Das ganze Miteinander zu erleben war großartig, mit der eigenen Pfarrjugend unterwegs zu sein und junge Leute und Theologen aus der ganzen Erzdiözese zu treffen. Begeistert hat mich auch der Erzbischof mit seiner liebenswürdigen Ausstrahlung, sein Stab und Mitra und die feierliche Messe. Außerdem bin ich nach wie vor begeistert vom Heiligen Korbinian. Der Heilige Korbinian und der Domberg waren uns insofern ein Begriff, als in unserer Heimatpfarrei im Hochaltar der Heilige Korbinian mit Domin der Hand dargestellt war. Korbinian ist der Wegweiser meines Lebens und das wird auch so bleiben. Das ist in meiner Heimatpfarrei grundgelegt und durch die Jugendkorbinianswallfahrt gefestigt worden. Zehn Jahre war ich als Kind und Jugendlicher dabei, später auch beruflich mit einem Stand.

Die Jugendkorbinianswallfahrt hat sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt, Ende der 60er wurde sie politisch, heute sind spirituelle Elemente und die Wallfahrt wieder zentral. Wie finden Sie die Wandlungen?
Es war sehr schön zur damaligen Zeit, aber jede Zeit hat ihre eigene Prägung. Daher finde ich es gut, dass sich die Jugendkorbinianswallfahrt wandelt. Die jungen Menschen, die ich kenne, sind begeistert von der heutigen Form. Ich wünsche mir nur, dass die jungen Menschen heute die Jugendkorbinianswallfahrt so erfahren, wie wir sie erfahren haben.

Pater Johannes von Avila, 70, ist Prior der Barmherzigen Brüder München