Schlagt eine Brücke zu allen Menschen

Datum: 17.11.2014

Freising, 17. November 2014 - Mehrere Tausend Jugendliche und junge Erwachsene pilgerten am Sonntag, 16. November, bei der Jugendkorbinianswallfahrt singend und betend zum Freisinger Domberg. Insgesamt gingen mehr als 70 Wallfahrergruppen aus allen Teilen der Erzdiözese zu Fuß nach Freising. Bereits am Samstag waren rund 60 Wallfahrende vom Münchner Liebfrauendom zum Freisinger Dom unterwegs. Die 72. Wallfahrt stand unter dem Motto

„Voll im Leben“. „Liebe Korbi-Follower, viele Jugendliche sind auf der Suche und fragen sich, wo liegt mein Glück, wo bin ich voll im Leben. Entscheidend dafür sind Liebe und Gemeinschaft, wer „sein“ Leben alleine gegen die anderen sucht, ist nicht „voll im Leben“, nahm Kardinal Reinhard Marx Bezug zum Motto. In seiner Predigt gab er den Teilnehmer/innen den Auftrag in ihren Orten und Pfarrgemeinden auf Inklusion zu schauen. „Geht auf die zu, denen es schwerfällt Gemeinschaft zu erleben. Schlagt eine Brücke zu allen Menschen. Denkt an Behinderte und gerade jetzt an jugendliche Flüchtlinge, geht auf sie zu“. Im Anschluss an den Gottesdienst, der wie in den Vorjahren auch gebärdet wurde, beteiligten sich die Jugendlichen auf dem Markt der Möglichkeiten an Mitmachangeboten, Quiz und Workshops.

 

Podiumsdiskussion BDKJ München und Freising

 „Voll im Leben oder außen vor? Schließt die Festung Europa ihre Tore? lautete die Frage zur Podiumsdiskussion des BDKJ München und Freising am frühen Nachmittag. Vor rund 90 interessierten Zuhörern und Mitdiskutierenden verdeutlichte Prälat Hans Lindenberger, Caritas-Direktor München und Freising, dass Heimatlosigkeit die große Wunde unserer Zeit sei. Er meinte, dass in den letzten Monaten ein Ruck in Richtung Willkommenskultur durch das Land gegangen sei – „insbesondere auf kommunaler Ebene und in der breiten Bevölkerung“. Die Politik hinke, so alle drei Podiumsteilnehmer übereinstimmend, der Einstellung der hilfsbereiten Menschen in Deutschland deutlich hinterher. „Wir brauchen Offenheit“, so Lindenberger.

 

Jürgen Soyer von REFUGIO sagte, er freue sich, dass die Kirchen sehr viel Verantwortung übernähmen, denn ohne die Kirchen ginge in unserem Land wenig voran. Er wandte sich gegen das oft gezeichnete Bild von Flüchtlings“strömen“, Deutschland ist noch lange nicht am Ende seiner Aufnahmekapazität.

Dieter Müller SJ vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst verdeutlichte, dass es beim Thema Flüchtlinge keine gerechte Verantwortungsteilung gebe - „innerhalb der Festung Europa, gibt es keine Einigkeit“. Seine Organisation gehe stets nach dem Dreiklang: sehen – urteilen – handeln vor und setze sich stark für von der Abschiebung bedrohte Flüchtlinge ein, denen nach Ausschöpfung rechtlicher Mittel Kirchenasyl in Pfarreien gewährt wird.

Korbinian Werner, BDKJ-Diözesanvorsitzender gab abschließend bekannt, dass der BDKJ München und Freising, seit Beschluss der Diözesanversammlung im Oktober an Möglichkeiten arbeite Hilfswillige mit Hilfsbedürftigen direkt in Kontakt zu bringen. „Dazu arbeiten wir intensiv im Netzwerk Ehrenamt und Flüchtlinge der Landeshauptstadt München mit“, so Werner. Positiv zu bewerten sei, das starke Engagement vieler kirchlicher Initiativen und Organisationen in diesem Bereich.

Zum Abschluss der Jugendkorbinianswallfahrt feierte Diözesanjugendpfarrer Daniel Lerch mit den Jugendlichen eine Vesper im Freisinger Dom. Dabei wurden zwei ehrenamtliche Kuraten der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) ausgesandt.